Mit der TK-DiabetesTagebuch App setzt die Techniker-Krankenkasse ein deutliches Zeichen in Richtung Datenschutz. Die App ist jedoch nur für Mitglieder der Techniker-Krankenkasse verfügbar. Mitglieder anderer Krankenkassen können vier Wochen schnuppern.
Geräte und Datenverbindung beim TK-DiabetesTagebuch
Derzeit kann die TK-DiabetesTagebuch App Daten aus folgenden Geräten übernehmen:
- Beurer GL50 evo
- Roche Accu-Chek Aviva Connect
- BodyTel Glucotel
Startbildschirm
Auf der Startseite der TK-DiabetesTagebuch App kann man einen neuen Wert manuell erfassen. Datum und Uhrzeit sind mit den aktuellen Werten vorbelegt. Darunter sieht man den Blutzuckerverlauf über die letzten sieben Tage als Diagramm.
Manuelle Datenerfassung und -ergänzung
Die manuelle Eingabe eines Wertes auf der Startseite macht nur Sinn, wenn keine weiteren Daten erfasst werden sollen. In der Regel wird der Benutzer in den zweiten Menüpunkt des ausklappbaren Seitenmenüs „Blutzucker-Eingabe“ wechseln. Hier findet sich eine lange Scrolling-Liste mit der Möglichkeit, viele unterschiedliche Daten zu erfassen. Zur besseren Übersicht können die einzelnen Kategorien durch Tipp auf die Überschrift auf- und zugeklappt werden.
Die Liste der Datenkategorien hat dabei schon fast das Format von Health-Trackern: Insulin, Medikament, Kohlenhydrate, Ernährungszustand, Aktivität, Befindlichkeit sowie ein Kommentar.
Standardtexte und Medikamente
Die Erfassung von Standardtexten geht in der Regel über Scrolling-Listen. Viele kann der Benutzer selbst ändern. Es lassen sich beliebig viele Insuline und Medikamente einer Messung zuordnen.
Tagebuch
Das Tagebuch findet sich unter dem mit einem Diagramm-Icon versehenen Menüpunkt namens „Auswertung“. Es listet nach Datum geordnet die Messungen auf. Ein Tipp auf die Messung öffnet die Gesamtansicht. Auch Tage ohne Messung sind hier verzeichnet.
Diagramme
Eine grafische Aufbereitung ist in der App nicht zu finden. Sie wird lediglich für den Datenexport per PDF-Datei generiert.
Statistik
Auch statistische Auswertungen sucht man vergeblich.
Das Diabetes Tagebuch der Techniker-Krankenkasse ist sowohl als Smartphone-App als auch als Web-Version verfügbar.
Für den Patienten
Das Diabetes Tagebuch ist allein dem Patienten vorbehalten.
Für den Arzt
Es gibt keine Zugriffsmöglichkeit für den Arzt. Der Datenausdruck ist aber wie ein Blutzuckertagebuch gestaltet, das man dem Arzt vorlegen kann.
Technik
Alle erfassten Daten werden automatisch synchronisiert.
Die Datenschutzerklärung der TK-DiabetesTagebuch App zeigt, wie man es auch machen kann. Sie ist kurz, leicht verständlich und macht klare Angaben über die Auswertung der Daten: die findet nicht statt. Die TK darf von Gesetzes wegen die medizinischen Daten von Versicherten nicht auswerten. Leider macht die TK keine Angaben über die Nutzung sogenannter Metadaten wie Nutzungsdauer, IP-Adresse oder Linknutzung. Wir haben die Datenschutzerklärungen aller Hersteller nach einem eigenen Anforderungskatalog ausgewertet und stehen in Kontakt mit einem Datenschützer, der unsere Erkenntnisse überprüft. Sobald seine Ergebnisse vorliegen werden wir hier darüber berichten.
Ein erster Schritt. Die App ist ausbaufähig, der Datenschutz sehr gut.
Positiv
Mit der Tk-DiabetesTagebuch App setzt die TK ein deutliches Zeichen. Sie gibt ihre ganz eigene Antwort auf die Frage, wo sensible persönliche und medizinische Daten am sichersten aufbewahrt werden. Definitiv nicht bei einem Pharmahersteller, der mit der Auswertung der Daten Firmeninteressen verfolgt. Auch nicht bei dem Hersteller einer App, der die Daten zwar nicht nutzt, aber leicht Opfer krimineller Aktivitäten werden könnte – oder von einem Untenehmen gekauft wird, das sich dann der Daten bemächtigt.
Die Speicherung bei der Krankenkasse bietet ein deutliches Plus an Sicherheit. Sie ist groß genug, um Datenschutz und Datensicherheit wirklich garantieren zu können, und sie ist vor allem stark kontrolliert. So ist es gesetzlich verboten, dass Krankenkassen die medizinischen Daten auswerten.
Eine Bestnote hat sich die TK mit dem E-Mail-Versand verdient. Die PDF-Datei wird erst verschickt, wenn der Benutzer ein Passwort für die Datei eingegeben hat. Nur damit lässt sie sich öffnen.
Negativ
An diese allererste Version, die erst seit Mai 2016 vorliegt, muss man andere Maßstäbe anlegen als an ein seit Jahren etabliertes Produkt. Deshalb darf man die Erwartungen nicht allzu hoch stecken. Es gibt an allen Ecken der App Verbesserungsbedarf:Die Menüpunkte des Hauptmenüs sind unklar benannt; die Erfassung der Medikation und des Insulins muss vereinfacht werden; es fehlen Diagramm- und Statistikfunktionen, die Aktivierung der Bluetooth®-Datenübertragung benötigt genauso viele Tipps wie die manuelle Eingabe des Wertes. Vor allem muss die Bildschirmansicht von der Scrollfunktion auf eine seitenweise Ansicht, die Scrollinglisten müssen auf Auswahllisten umgestellt werden. Datenerfassung und Navigation sind auf diese Weise viel schneller – und genau das ist für den Diabetiker wichtig.
Die Verschlüsselung des Datenexportes per E-Mail ist sehr gut, allerdings erschließt sich nicht, weshalb dieser ebenso aufwändig wie ein Blutzuckertagebuch gestaltet wurde – inklusive perfekt gestalteter Titelseite. Wenn man Daten per E-Mail an den Arzt schickt möchte dieser eine schnelle Übersicht über einen bestimmten Zeitraum haben und nicht monatsweise in einem PDF-Dokument blättern müssen.
Datenschutz
Die Datenschutzerklärung ist an einigen Stellen lückenhaft, doch schon aufgrund der klaren Gesetzeslage, die für Krankenkassen gilt, kann man der TK getrost die sensiblen persönlichen und medizinischen Daten anvertrauen!
Fazit
Die DiabetesTagebuch App der TK ist ein Anfang. In einer Umfrage werden die Nutzer derzeit gebeten, Ideen einzureichen, wie die App erweitert werden könnte. Die TK denkt dabei laut über den Ausbau zu einer Health-Tracking-App nach, wobei dann verschiedene andere Messgeräte angeschlossen werden können.



